Read Hinter den Kulissen der Mediation: Kontexte, Perspektiven und Praxis der Konfliktbearbeitung by Alex von Sinner Online

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Mediation ist ein Modell der au ergerichtlichen und daher gelegentlich alternativ genannten Konfliktl sung, das mittlerweile in verschiedenen Varianten gelehrt und in unterschiedlichen Kontexten angewendet wird Trennung und Scheidung, Schule, Nachbarschafts und Quartierstreitigkeiten, Konflikte in und zwischen Organisationen und in Makrokonflikten auf der politischen oder auch internationalen Ebene Der Band versammelt Beitr ge, die hinter die Kulissen der Mediationspraxis in ihren unterschiedlichen Ausgestaltungen und Anwendungsbereichen schauen Die M glichkeiten und Grenzen meditativen Handelns werden dabei jenseits idealer Vorstellungen deutlich Neben einigen konzeptionellen Beitr gen, die verschiedene Schlaglichter auf die gegenw rtige Mediationspraxis im deutschsprachigen Raum werfen, finden sich in diesem Band vor allem auch selbst kritisch reflektierte Praxiserfahrungen mit zahlreichen konkreten Beispielen....

Title : Hinter den Kulissen der Mediation: Kontexte, Perspektiven und Praxis der Konfliktbearbeitung
Author :
Rating :
ISBN : 3258069565
ISBN13 : 978-3258069562
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Haupt Verlag Auflage 1., 1 November 2005
Number of Pages : 575 Pages
File Size : 689 KB
Status : Available For Download
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Hinter den Kulissen der Mediation: Kontexte, Perspektiven und Praxis der Konfliktbearbeitung Reviews

  • Buddhismus-Kritiker
    2019-03-09 17:43

    Der Meinung und dem Resume des Vorrezensenten kann ich mich als Mediator in keiner Weise anschliessen - so verschieden können Wirklichkeiten sein, ein Hoch auf den Konstruktivismus!Ich habe das (umfangreiche) Buch mit einigen Erwartungen erstanden - das Meiste ist leider nicht erfüllt worden.Zuletzt hatte ich andere Mediationsbücher, die spannend von der ersten bis zur letzten Seite waren, wo ich auf jeder Seite neues wichtiges gelernt habe. Aber bei diesem Buch war die zweite Hälfte und das letzte Drittel einfach nur noch sehr zäh (für mich!).Ja, schon ein dickes Lob an Sinner und Zirkler, die sich Mühe gegeben haben einmal ein anderes Mediationsbuch auf den Markt zu bringen und das durchaus auch geschaft haben. Es muss ja eine Wahnsinnsarbeit gewesen sein, die vielen Autoren und Themen zu koordinieren.In diesem Buch gibt es keine "Lehrmediation" zu lesen, keine Modelle, keine Theorien, aber leider auch nichts wissenschaftliches - Autoren weissen immer wieder darauf hin, dass sie die Wissenschaft aussen vor lassen und (nur) von ihrer Praxis berichten.Das mag für manche Leser auch gut so sein - für mich nicht ganz!In diesem Buch gibt es all zu viele Meinung, alle unbewiesen und einige auch unhaltbar sind. Das ist aber dem Ziel des Buches geschuldet, Wissenschaftlichkeit auf ein Minimum herunter zu schrauben und dafür die konstruktivistischen Mediationswelten von Mediatoren all zu sehr mit der Wirlichkeit selbst zu verwechseln.Eine Objektivierung fehlt hier ganz klar und mit Selbstkritik haben es einige Autoren auch nicht so sehr.Was ist Mediation? Das wird im "Praxisteil" bis zur unkenntlichkeit aufgeweicht und zerstümmelt. Ja manche Beiträge wechseln fliegend vom Therapeuten zum Mediator und an anderer Stelle zum Schiedsrichter, zum Coach, zum Berater und Streitschlichter. Dass dies dann noch eine Person in einer Sitzung mit fliegender Zustimmung der Parteien und fliegendem Rollenwechsel selbst vornimmt, mag zwar eine gute schauspielerische Leistung sein, ist aber nicht wirklich zu leisten!Erst tritt man als Therapeut auf, sagt seine Meinung und was zu tun und zu therapieren ist, dann wechselt man zum Mediatior, sagt, dass man nun inhaltlich nichts mehr beitragen wird, neutral ist und sich heraus hält und dann wird man zum Schiedsrichter, der entscheidet wie eine Lösung aussieht / aussehen sollte und versucht die Parteien dazu zu bewegen.Dann behaupten Autoren noch im Prinzip, dass es ja ein ganzes Kontinuum gibt, wo ein Teilstück auch Mediation ist und sie hier keine Grenzen ziehen würden/wollen.Das ist Selbstbetrug und Betrug an den Medianden, die offensichtlich hier nicht wirklich voll informiert wurden.Von all den Verfahren: Moderation, Coaching, Therapie, Schlichtung, Beratung, Mediation, ist nur letzteres wesentlich ANDERS. In der Mediation hält sich der Mediator inhaltlich weitgehen raus und lässt die Parteien eigene Lösungen und Wege finden - bei all den anderen Verfahren ist genau dies nicht gegeben!Wenn mich ein "Mediator" therapiert und dann 10 Minuten später wieder behauptet, nun wäre er neutral und würde sich nicht mehr einmischen ...Dieses ganz "hin-und-her-gehopse" zwischen den vielen Verschiedenen Rollen dient dem "Mediator" letztendlich nur, eine Lösung in seinem Sinne zu erzwingen, selbst wenn die Parteien noch gar nicht so weit sind. So zu sagen mit der Brechstange!Da frage ich mich, wie es mit der Selbstbestimmung der Medianden, deren Autonomie noch ist und ob sie den Weg und das Ziel inhaltlich noch wirklich selbst bestimmen, ob sie demokratisch mit einander umgehen oder hierarchisch durch den Mediator geführt und bestimmt werden.Was ist ein Mediator?Auch das fällt extrem verschieden aus, bis dorhin, dass so etwas implizit als angeboren oder "das haben wir doch schon immer so gemacht" betitelt wird. Damit wäre auch eine Ausbildung dazu geradezu überflüssig.Das gerade die Autoren, welche so denken, ihre Schlichterrolle in dem Buch ausführlich schildern, das aber "Mediation" zum Thema hat, ist eigentlich das Thema oder zumindest den Buchtitel verfehlt.Das Besondere an dem Buch ist seine Breite und Praxis der Mediation - das ist ein Wert an sich, den manche suchen mögen.Hier geht es von politischen Mediationen vom Nil und in Mazedonien, über Wirtschaftsmediation bis hin zu Familienmediation und Erbschaftsstreitigkeiten in der Schweiz. Es ist nicht alles abgedeckt, aber doch reichlich viele Anwendungsfelder von Mediation. Nur wem dient das, wer wäre damit Zielgruppe von diesem Buch?Ein "Anfänger" oder "Einsteiger" bestimmt nicht, denn man benötigt zu viel Vorwissen und sollte einiges was darin so als "Wahrheit" angepriesen wird, lieber dort belassen und nicht als "letzte Wahrheit" ansehen. Andererseits könnte sich hier ein "Beginner", schon mal über seine Mediationsschwerpunkte informieren und sich positionieren.Was macht jemand erfahrenes damit? Er hat sich schon positioniert und diese ganze Bandbreite wird er nicht abdecken wollen und können. Sich aber für ein paar passende und interessante Kapitel, den gesamten Wälzer anschaffen, wäre auch nicht effizient.Meine Erwartung zu diesem Buch lag im Titel: "Hinter den Kulissen ...".Natürlich gibt es Praxisbeispiele und etwas aus dem Alltag - aber das ist auch in vielen anderen Büchern zu finden und eben kein Alleinstellungsmerkmal dieses Buches. Etwas mehr zu "Hinter den Kulissen" ist aber auch von diesem Buch nicht wirklich zu erwarten. Obwohl es da sehr vieles gibt, das die Mediationsbranche gerne unter den Teppich kehrt. So harrt dies doch nach diesem Buch noch immer der Reflexion und Bearbeitung durch einen vielleicht anderen Mediator-Autor.Nur wie sollte dann der Titel lauten?Mein Resume:- Ich sehe kaum eine nennenswerte, sinnvolle Zielgruppe für dieses Werk.- Der (übertriebene) Praxisanspruch lässt Wisschenschaftlichkeit und Objektivität an vielen Stellen vermissen und lässt die subjektive Meinung von Autoren zu Dogmen erstarren.- Ich will weder zu dem Erwerb dieses Buches raten, noch davon abraten. Nur die meistern meiner Mediationsbücher sind interessanter und lehrreicher.

  • Stefan Bamberg
    2019-03-06 17:19

    Es ist überaus beglückend bei der Wiederentdeckung einer alten Kunst zugegen zu sein. Wenn Jesus - nach Alex von Sinner - einer der ersten Mediatoren der Geschichte gewesen ist - so befinden sich die Mediatores der Gegenwart in guter Gesellschaft. Also Zeit, sich über die eigene Profession, ihren Dimensionen und das eigene Handeln Gedanken zu machen. Die Herausgeber Alex von Sinner und Michael Zirkler haben sich dieser Aufgabe gestellt und einen umfangreichen Band mit dem Titel "Hinter den Kulissen der Mediation" realisiert, der seinem Titel in aller Form und Qualität gerecht wird. Unterteilt in die drei Kapitel „Konzeptionelle Perspektiven“, „Erfahrungen in der Entwicklung mediativer Rollen“ und „Berichte aus der Praxis der Konfliktbearbeitung“ wird nicht nur der Versuch unternommen, der Mediation ein breites Forum zu gewährleisten, das in ihrem Spektrum die Geschichte, die Anwendungsbereiche und die Abgrenzung zu anderen Konfliktlösungsdisziplinen dem Leser nahezubringen versucht, sondern es wird zudem der Versuch unternommen, den Autoren eine Plattform zu bieten, ihr professionelles Handeln in der Mediation zu reflektieren. Der biografische Ansatz dient dabei nicht allein der Reflexion selbsterfahrenden Handelns, sondern erlaubt dem Leser darüber hinaus einen Einblick in die dynamischen Wirkungsweisen eines Berufsfeldes, das wiederbelebt wird und individuelle und kollektive Verfahren zur Konfliktlösung beinhaltet. Voraussetzung dafür ist neben der breiten Akzeptanz der Mediation auch ihre Transparenz hinsichtlich ihrer Vorgehensweise und der Anwendbarkeit für die Lösung von Konflikten. Dafür leisten die Herausgeber und die Autoren des vorliegenden Bandes einen besonderen Dienst. Als wesentlicher Erkenntnisgewinn erscheint hierbei die Versöhnung mit der menschliche Konstante, dass Konflikte zu unserem Leben einfach dazugehören und keine Bedrohung darstellen müssen. Denn zum einen beschreiben diese Konflikte unsere Vielfältigkeit und verweisen doch letztlich lediglich auf eine Diskrepanz, die es anzuschauen gilt und im besten Fall entsteht dadurch eine höhere Gemeinsamkeit. Das Ziel ist eine höherprädikative Konstellation, die auf der Grundlage des Win-Win-Paradigmas realisiert wird und welches entgegen unseres bisherigen Konfliktlösungs-verständnisses (z.B. das Verlangen, „Recht“ bekommen wollen), sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene nachhaltig integrativ wirkt. Und so verweist Michael Zirkler darauf, dass Konfliktlösen Arbeit ist, deren Ziel es zunächst sein sollte, den Menschen die Angst vor ihren Konflikten zu nehmen und es ihnen zu ermöglichen, Konflikte auch als solche zu erkennen. Doch verwebt Zirkler darüber hinaus diesen Anspruch mit dem Handeln des Mediators in seiner Selbstbetrachtung, die in anschaulicher Weise die Sowohl-als-auch-Philosophie der Mediation auf die Reflexion des eigenen Berufenseins dolmetscht.Über Mediation zu schreiben ist das eine – doch die mediativen Elemente auch in Wort und Schrift zu übertragen ist glaubwürdiger. Und genau das leistet dieser hervorragende Band, der nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der Mediation gestattet, sondern dem geneigten Leser auch einen Panoramablick in das eigene Konfliktverhalten ermöglicht. Damit leisten die 403 Seiten reichhaltiges Material, das zum (Weiter-) Denken, Handeln und Entwickeln über das eigene Rollenhandeln in Konflikten an- und hoffentlich auch aufregt.Alex von Sinner geht ausführlich auf die historische Entwicklung des „mediator“ – des Mittlers – ein. Die Verwobenheit vermeintlich vergangener Wirklichkeiten mit der aktuellen Realität gesellschaftlich relevanter Diskurse ist eine Binse und doch kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden. Geschichtsvergessenheit ist ein Problem von Gesellschaften, die ihre Tabus hegen und pflegen und darüber hinaus ihre Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ausblenden. So scheinen auch unsere alltäglichen Konflikten nicht Gegenstand aufgeklärter Kommunikation zu sein. Allzu leicht glauben wir mit ihnen mehr unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten zu offenbaren und übersehen die mannigfaltigen Chancen, die diese Konflikte zur persönlichen und sozialen Entwicklung bieten. Und das faszinierende daran ist, dass wir das Rad zur Konfliktlösung nicht neu zu erfinden brauchen. Vertrauen wir auf den Sinn unserer Geschichtlichkeit, so können wir uns auch unseren Konflikten anvertrauen und unser Handeln reflektieren. Dabei unterliegt von Sinner nicht der Versuchung, eine „Entstehungsgeschichte“ (S. 34) nachzuzeichnen, sondern erklärt uns auf wohltuende Weise die Vielfalt menschlicher Wirklichkeit hinsichtlich ihrer historischen Dimensionen und eröffnet uns damit die Sichtweise auf die Vielfalt unserer Versuche, die zwischenmenschlichen Spannungen zu mildern. Wir können nur von unseren Vorfahren lernen, wir können ihre Fehler verstehen und unsere Sichtweise darauf reflektieren und sicherlich ist es falsch, uns vor ihnen überheblich zu gebärden. Wie erfrischend es von Sinner in diesem Kontext immer wieder gelingt, den Bogen der Mediation auf die gegenwärtigen Diskurse zu spannen. Der Verweis auf „einseitige Orientierungen am Paradigma der Scheidungsmediation“ (S. 35) beschreibt eine der wesentlichen Denkblockaden, die unsere „Entweder-Oder-Gerechtigkeitsschemata“ im konfliktären Handeln bestimmen. Und so beschreibt er einen „flexiblen und variablen“ (S. 35) Verständnistypus von Mediation, der für diejenigen zutreffen mag, die sich lediglich – und das ist schon viel – „eine gerichtliche Auseinandersetzung und deren aus ihrer individuellen Perspektive mutmaßlich suboptimales Ergebnis ersparen möchten“ (S. 36). Die Bandbreite der Motivation, sich der Mediation als Professioneller oder als Konflikttragender anzuvertrauen, beschreibt einen Querschnitt unserer gesellschaftlichen Realität, die sich in unzähligen Wirklichkeiten entfaltet. So verweist von Sinner zu Recht auf die Eigenverantwortung des Einzelnen, auf die Verantwortung, die das Handeln des Individuums in dem Geflecht kollektiver Realität mit sich bringt und eben auch auf die Eigenverantwortung, die die soziale Verantwortung in einem Konflikt nicht negiert.Den Bogen, den Sinner über die „Entstehung moderner Mediation“ (S. 37) spannt und in dem er verschiedene Strömungen darstellt, ist unverkennbar einer geisteswissenschaftlichen Haltung zugewandt, die sich anderen Bewegungen in der Mediation leicht und ohne Berührungsängste zuwendet – eben mediativ. Selten habe ich so vergnügt lesen und lernen können. Wie wunderbar beschwingt sich die Texte zu einem Lesevergnügen wandeln und vor allem wie undogmatisch der Leser dazu eingeladen wird, sich einem Gebiet zuzuwenden, dass erkenntnisreich immer wieder auf ihn selbst zurück referiert – jedoch ohne Zeigefinger und ohne Schwere. Dabei spielt die Authentizität der Autorinnen und Autoren eine wesentliche Rolle, denn – es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden – ist der vorliegende Band eine zu Schrift geronnene Mediationshaltung, die sich dem Leser nicht anbiedert und dennoch nicht in Beliebigkeit zerfließt. Die Texte sind wissenschaftlich fundiert und von Fachleuten sowie – das ist essentiell – von Mitmenschen (vgl. zu diesem Begriff: Duss-von Werdt, S. 57 ff.) verfasst. Somit wird Mediation textuell erfahrbar, wodurch sich der Anspruch von Sinners, „den gegenwärtigen Vorstellungen von Mediation ein Gesicht zu geben“ (S. 42) erfüllt. Ich nenne diesen Anspruch eine lehrreiche und vergnügliche Reise durch die Welt der Mediation, die sowohl Fachleute und Laien – eben Mitmenschen anspricht und der sich weg von einer „normativ orientierten Behandlung des Themas“ bewegt.Wer neugierig geworden ist, der kann die Fortsetzung der Rezension anfordern.