Read Vertrauen: Ein riskantes Gefühl by Jürgen Wertheimer Online

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Ausgerechnet das, was unser Leben in eintscheidenden Momenten stabilisiert, soll Gefahren beinhalten Doch Vertrauensmissbrauch gilt zu Recht als Sakrileg, oft kann man nicht sagen, ob ein Vertrauensvorschuss gerechtfertigt ist.Wann man einen Neurowissenschaftler danach fragen w rde, wo denn der Sitz dieses Gef hls ist, er m sste passen Um sich der Komplexit t des Vertrauens anzunehmen, haben sich der Literaturwissenschaftler J rgen Wertheimer und der Gehirnforscher Niels Birbaumer zusammengetan Der eine schaut tief in den Fundus der Literaturgeschichte, der andere in unser Gehirn Kann der Vertrauenscode vielleicht doch entschl sselt werden...

Title : Vertrauen: Ein riskantes Gefühl
Author :
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ISBN : 3711000967
ISBN13 : 978-3711000965
Format Type : EPub
Language : Deutsch
Publisher : Ecowin Auflage 1 Aufl 8 Oktober 2016
Number of Pages : 198 Pages
File Size : 992 KB
Status : Available For Download
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Vertrauen: Ein riskantes Gefühl Reviews

  • wolfgang neubacher
    2019-01-07 13:39

    Der Titel ist ein Zitat aus diesem bemerkenswerten Buch. Viele Leser werden dem Satz zustimmen; gleichzeitig schreiben aber die beiden Autoren:"...Jedem geglückten Betrug geht nicht zufällig ein Akt des Vertrauens voraus..."Was nun? Sollen wir dem anderen vertrauen, sollen wir ihm misstrauen, sollen wir immer auf der Hut sein?Genau auf diese Problematik gehen die beiden Autoren intensiv ein. Sie wählen dazu einen interessanten Ansatz - sie wollen sich durch ein "Zusammenwirken von Hirnforschung und Literatur" der Problematik annähern. Herausgekommen ist "weder ein Buch über Literatur noch eines über das Gehirn in seiner materiellen Form. Wohl aber über das geheime Leben eines Vertrauensreflexes, den wir 'Vertrauen' nennen..."Das Literaturverzeichnis umfasst nicht weniger als sieben Seiten - fast die gesamte Weltliteratur wird auf das Thema "Vertrauen" abgeklopft. Einige Beispiele: Laurence Sterne, "Tristam Shandy"; Günter Grass, "Die Blechtrommel"; Schnitzler, "Anatol"; Schiller, "Die Bürgschaft" und "Don Carlos"; Shakespeare, "Othello", "Der Sturm" und "Romeo und Julia". Gerade die Stücke von Shakespeare zeigten, "...dass Vertrauen und Misstrauen so eng verbunden sind wie Liebe und Hass".Weitere Literatur: E.T.A. Hoffmann, "Der Sandmann"; Brecht, "Der gute Mensch von Sezuan"; Homer, "Ilias"; Tolstoi "Anna Karenina"; Camus, "Der Fremde"; Kafka, "Der Prozess".... In all den genannten Werken steht "Vertrauen" gegen "Misstrauen". Gerade in der Literatur sei das Gefühl des Vertrauens "trügerisch und undurchschaubar".Dieses Vertrauen beginne schon in der Kindheit: "Ohne kindliches Grundvertrauen geht gar nichts. Und dieses setze sich fort durch das ganze Leben - mit all den Enttäuschungen. Dieses kindliche Grundvertrauen könne nicht vorausgesetzt werden: "...Es muss im sozialen Hier und Jetzt täglich neu erarbeitet werden..."Ein nicht ganz leicht lesbares, aber sehr beeindruckendes Buch, das - neben der eigentlichen Vertrauens-Problematik - dazu aufruft, sich mit diversen Werken der Weltliteratur wieder einmal zu beschäftigen!

  • S.A.W.
    2018-12-22 13:02

    ...Das fragen sich Wertheimer und Birbaumer, der eine sucht in der Literatur und der andere im Gehirn danach. Das Urvertrauen kennen nur Menschen, die als Kind geliebt wurden. Gottvertrauen ist nicht mehr jedermanns Sache. Vertrauensmissbrauch fürchten wir alle. Manche vertrauen dann niemandem mehr.So ging es mir auch. Freunde, die mein Vertrauen missbraucht haben - das kommt leider öfter vor, als ich in meinem naiven Vertrauen geglaubt habe - sind nicht mehr meine Freunde. Soll ich also auch auf Misstrauen umschalten? Wie behält man trotz vieler Enttäuschungen sein Vertrauen in die Menschen?Laut dem Psychologen Birbaumer entsteht das Urvertrauen bereits im Mutterleib, wenn der geliebte Fötus positive Signale vom mütterlichen Körper empfängt. Von der Geburt an bleibt die Vertrauens- oder Misstrauenshaltung eines Menschen ziemlich konstant, kann aber durch gezieltes Üben verändert werden. Im Gehirn lässt sich im Gegensatz zu Gefühlen wie Angst oder Freude keine Hirnregion finden, die für Vertrauen zuständig ist. Dies liegt daran, dass Vertrauen sehr situationsabhängig ist. Es entsteht aus der Risikoeinschätzung, ob man sich auf einen Menschen verlassen kann oder Betrug erwarten muss. Diese Einschätzung ist von der Vorerfahrung abhängig, kann sich auf nonverbale und verbale Botschaften stützen, bleibt aber immer unsicher. Ohne Vertrauen in zukünftige Handlungen anderer Menschen können wir nichts entscheiden und müssen doch immer mit Enttäuschungen rechnen.Warum haben viele Frauen Vertrauen in dominante Männer, wie in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“, das jeder Feministin die Zornesröte ins Gesicht treiben muss? Dies liegt am kindlichen Wunsch nach starken Eltern, die einen beschützen. Kinder vertrauen, selbst wenn sie schwer enttäuscht werden. Dass Verliebte sich so vertrauen, liegt am Oxytocin, selbst wenn das Vertrauen wie bei „Romeo und Julia“ tödlich endet. Die Weltliteratur ist voller Stücke, die vor blindem Vertrauen warnen, wie M. Frischs „Biedermann und die Brandstifter“. Nur Schiller in seiner „Bürgschaft“ lobt das Vertrauen selbst unter Einsatz des eigenen Lebens.Das Vertrauen steigt, wenn wir jemand gut kennen, also sein Verhalten besser einschätzen können. Exuperies kleiner Prinz nennt das Vertraut-Werden „Zähmung“. Dies geschieht in Freund- u Partnerschaften und dennoch ist gerade in nahen Beziehungen das Enttäuschungspotential am größten.Sich riechen können entscheidet über Sympathie und Antipathie. Duftmarken helfen bei der raschen Etablierung sozialer Netzwerke, nicht nur bei Hunden. Laut E.H. Erikson entsteht das Urvertrauen im 1. Lebensjahr in einer vertrauensvollen Beziehung zur Mutter. Die Verhaltensbiologie sieht im Misstrauen gegenüber Fremden einen evolutionären Vorteil. Die Vertrauensfrage stellt sich bei jeder wichtigen Entscheidung, nicht nur im Autoverkehr. Wenn ich nicht darauf vertraue, dass andere Autofahrer sich an die Verkehrsregeln halten, kann ich nicht losfahren. Auch wenn dieses Vertrauen im Einzelfall das Leben kosten kann, geht es doch für die meisten Lenker gut aus.Wertheimer bringt viele Beispiele aus der Literatur, die aufzeigen, wie verschieden die Vertrauensfrage ausgehen kann. Im postfaktischen Zeitalter, in dem Vertrauen nur mehr über Medien und emotionale Botschaften „produziert“ wird, die Wähler Politikern vertrauen, die Hoffnung jenseits aller Vernunft erzeugen und am Schluss weitere Enttäuschung hinterlassen, mag es sinnvoll sein, sich in diesem Buch auf die Hintergründe unserer wichtigsten, aber auch gefährlichsten Emotion einzulassen.Deshalb sollte man dieses Buch lesen.Rüdiger Opelt, Autor von "Amors vergiftete Pfeile: Nie wieder Pech in der Liebe - Schluss mit verfahrenen Beziehungsmustern