Read Peter Behrens: Umbautes Licht by Bernhard. Buderath Online

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Prestel, M nchen, 1990 192 S mit zahlreichen Abb., 30 cm, Leineneinband, quart gutes Exemplar...

Title : Peter Behrens: Umbautes Licht
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ISBN : 3791310593
ISBN13 : 978-3791310596
Format Type : Kindle Edition
Language : Deutsch
Publisher : Prestel Verlag GmbH Co Auflage Erstausgabe 1 Oktober 1990
Number of Pages : 490 Pages
File Size : 773 KB
Status : Available For Download
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Peter Behrens: Umbautes Licht Reviews

  • Christoph Erlemeier
    2019-05-07 22:37

    Spricht man von Corporate Design, wird als dessen Erfinder heutzutage oft Otl Aicher genannt. Dieser professionalisierte es und gab diesem auch seinen Namen und dennoch gilt als erster Aktive in dieser Disziplin der Architekt Peter Behrens (1868 - 1940), der bereits in seiner Tätigkeit für die AEG ein ganzheitliches Erscheinungsbild schuf. Leider ist er heute in Deutschland unbekannter als viele seiner Schüler, die in seinem Büro ihr Handwerk lernten, welches sich vorwiegend mit Industriearchitektur beschäftigte. Zu diesen Schülern zählten viele Bauhäusler, wie z.B. Ludwig Mies van der Rohe. Behrens war demnach nicht nur als Architekt tätig, sondern auch als Designer, Typograf und Maler.Mit dem in diesem Buch besprochenen Bauwerk wurde er im Jahr 1920 beauftragt, also in einer Zeit, als der Name Behrens durch die AEG schon recht bekannt war. Dennoch war er als Architekt ein Autodidakt. Umso erstaunlicher ist es, wie schnell und wie oft er Baustile variieren bzw. wechseln konnte. Bekannt ist er auch für den Jugendstil im Kontext zum Hagener Impuls und zur Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Das virtuose Spiel mit dem Licht in der Kuppelhalle des technischen Verwaltungsgebäude der Farbwerke Höchst sollte dieses Bauwerk zum Hauptwerk seiner recht kurzen expressionistischen Schaffensphase werden lassen. Der Bau steht dabei in der Tradition des niederländischen Backsteinexpressionismus, stilistisch zwischen Hendrik Berlage und Michel de Klerk.Der rund 150m lange, dem Straßenverlauf folgende, leicht abgewinkelte Stahlbetonbau mit zweifarbiger Klinkerfassade besteht aus zwei langgestreckten Verwaltungstrakten und einem kubischen Mittelbau, welcher zusammen mit dem Uhrturm und einer Verbindungsbrücke das gesamte Ensemble dominiert. Turm und Brücke waren von 1947 bis 1997 in abstrahierter Form Logo der Höchst AG. Die Flügelbauten nehmen Büro- und Zeichenräume auf, im Mittelrisalit befindet sich dann hinter einem niedrigen Eingangsbereich die berühmte farbige Kathedrale der Industrie, die sogenannte Kuppelhalle mit den vielfarbigen Klinkersteinen. Behrens brachte Motive des gotischen Sakralbaus zur Anwendung, um der Halle ein mystisches Gepräge zu verleihen.Dazu zählen z.B. auch die Strebepfeiler, die sich wie Bündelpfeiler geschossweise nach oben verbreitern. Das schmale Rechteck des Grundrisses mit Seitenlängen im Verhältnis 3:1 unterstreicht die Aufwärtsbewegung des sich über 5 Geschosse erstreckenden Raums. Das Licht fällt von oben durch drei wie geschliffene Kristalle geformte Glaskuppeln und erzeugt dabei tanzende Farbspiele auf dem Boden und auf den in Spektralfarben leuchtenden Wänden. Die untersten Klinker der Innenwände sind grün, dann folgt blau, rot, violett, orange und zuletzt gelb. Kristalline Formen gelten als eines der Leitmotive expressionistischer Architektur und somit erscheinen diese auch im Grundriss der Pfeiler, in Wand- und Bodenmosaiken und vielen handwerklichen Details, an denen das Bauwerk reich ist und die Behrens sämtlich selbst entwarf. Die Wiederholung und Variation dieser Motive tragen im Sinne der Amsterdamer Schule zum einheitlichen Gesamterscheinungsbild bei. An die berühmte Kuppelhalle schließt eine dreischiffige Ehrenhalle mit einer zentralen Bronzeskulptur von Richard Scheibe an. Die Seitenschiffe wurden als Ausstellungsräume für firmeneigene Produkte genutzt.Das Gebäude, welches erst 1924 fertiggestellt werden konnte, verlor allerdings schnell an Bedeutung und wurde in den 1930er Jahren mehrfach umgebaut, wobei auch neue Wände eingezogen wurden. Aufgrund einer Fusion, welche die Firma zum viert größten Unternehmen der Welt werden lassen sollte, zog man 1930 in das von Hans Poelzig entworfene IG- Farben Haus am Frankfurter Westend um. Der Poelzig Bau wird heute von der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main genutzt.Der Peter Behrens - Bau gehört seit 1998 der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, die als Betreibergesellschaft des Industrieparks Höchst aus der Hoechst AG ausgegliedert wurde. Im Jahr 1998 wurde dieses Bauwerk aufwendig restauriert und der Versuch unternommen, vieles wieder möglichst original erscheinen (vor allem während der zweiten Sanierung 2007) zu lassen. In den 1990er Jahren zog das Bauwerk somit erneut die Aufmerksamkeit auf sich, die entsprechend auch in diesem Buch münden musste.Das Buch diente zudem als Katalog zu einer Ausstellung. Hier werden insbesondere sehr detailliert Gesichtspunkte der Architektur, des Designs, des Kunsthandwerks (Skulptur, Möbel) und der modernen Malerei (Bauhaus) betrachtet. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr an Informationen im Hinblick auf einen Vergleich zu Werken der Amsterdamer Schule gewünscht. Das Buch ist sicher ein seltenes Sammlerwerk, denn das Bauwerk ist auf internationaler Ebene weniger bekannt. So schließt es eine historische Lücke, deren Füllung sicher nicht nur für Bewohner von Höchst oder Frankfurt interessant sein dürfte.Das Bauwerk ist grundsätzlich nicht für das öffentliche Publikum zugänglich. Es kann aber im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Führungen mit Voranmeldung besichtigt werden. Meist finden diese Veranstaltungen während der Werktage statt.

  • vw
    2019-04-24 19:30

    Ein Buch zum Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst von Peter Behrens:Peter Behrens stand wie Frank Lloyd Wright zwischen Jugendstil und Art Deko. Beide haben Industrie- bzw. Verwaltungsbauten ebenso geschaffen wie Wohnhäuser. Beide waren ihrer Zeit voraus. Aber die Zeit ist über sie hinweggegangen. Es bedurfte erst der grossen Rückbesinnung auf die Bautradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, um Werte wie dieses Verwaltungsgebäude auf dem Werksgelände der früheren Hoechst AG wieder einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.Dieses ist nicht nur ein Buch zu einer Ausstellung, sondern eine umfangreiche Materialsammlung zu diesem Gebäude, seiner inneren Farbgebung und der Gestaltung des speziell für dieses Gebäude angefertigten Mobiliars. Tiefgehend bis hin zu Bezügen zur Malerei von Klee und Itten, die Behrens beeinflusst haben könnten.