Read Vulgärlateinische Alltagsdokumente auf Papyri, Ostraka, Täfelchen und Inschriften (Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete - Beihefte) by Johannes Kramer Online

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html Von den wenigen antiken Zeugnissen zum Vulgrlateinischen findet sich wiederum nur eine geringe Zahl auf originalen Schrifttrgern Einige davon werden in dem vorliegenden Band vorgestellt, jeweils zusammen mit Bibliographie, Edition, bersetzung, Nachzeichnung des Schriftbestandes sowie einem ausfhrlichen sprachlichen Kommentar Die Sammlung enthlt vier Nummern mit Briefen ChLA 43, 1241c Tab Vindol 2, 310 P Mich 8, 471 O Bu Njem 76 79 , eine Soldatenliste SB 22, 15638 ,fnf pompejanische Graffiti, zwei Inschriften aus dem Rheinland CIL 13, 7645 Gauthier Nr 45 , drei zweisprachige Dokumente SB 3, 6304 P Amh 2, 26 Folium Parisinum und den Anfang der Appendix Probi....

Title : Vulgärlateinische Alltagsdokumente auf Papyri, Ostraka, Täfelchen und Inschriften (Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete - Beihefte)
Author :
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ISBN : B07G4QS9LP
ISBN13 : -
Format Type : Hardback
Language : Deutsch
Publisher : De Gruyter Auflage 1 7 Dezember 2011
Number of Pages : 171 Pages
File Size : 789 KB
Status : Available For Download
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Vulgärlateinische Alltagsdokumente auf Papyri, Ostraka, Täfelchen und Inschriften (Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete - Beihefte) Reviews

  • nb
    2019-04-14 17:19

    Der Autor gibt nach dem üblichen Vorwort mit der Einleitung zunächst einen Überblick: Thema und Zielsetzung des Bandes, zeitliche Einteilung des Vulgärlateins, Art, Dichte und Datierung der Quellen und schließlich mehr oder weniger detaillierte Angaben zu den sprachlichen Charakteristika des Vulgärlateins. Danach folgt ab Seite 37 der Hauptteil mit ausführlicher Darstellung und Besprechung der zwölf Beispieldokumente: Briefe (1 - 3), dienstliche Mitteilungen (4a - 4c, römische Armee), Namensliste (5), Graffiti (6, Pompei), Grabinschriften (7 und 8, Rheinland), zweisprachige Dokumente (9 - 11, lateinisch-griechisch) und ein Ratgeber zum richtigen Wortgebrauch (12, Anfang der Liste Appendix Probi). Den Abschluß bilden die Indices der im Band erwähnten lateinischen und griechischen Wörter.Das sieht auf den ersten Blick ganz passabel aus, zumal der Autor ziemlich allgemeinverständlich schreibt und die Fachtermini auf das Notwendige beschränkt, was bei wissenschaftlichen Werken nicht gerade selbstverständlich ist. Dieser Band hätte somit eigentlich volle fünf Sterne mitsamt einem Bonus-Stern verdient.Aber genaueres Durchlesen bzw. Durch-den-Kopf-gehen-lassen des Gelesenen fördert doch einige Fehler bzw. Widersprüche zutage:- In der Einleitung stellt der Autor den sog. Quantitätenkollaps relativ ausführlich dar und schreibt zur Datierung: "Die ersten Zeugnisse stammen aus dem römischen Afrika der Zeit um 400 n. Chr." - wohingegen sein Beispiel 3, ein Brief aus den 130er Jahren, bereits Merkmale des Quantitätenkollapses beinhaltet, die er selbst auch bemerkt: Schreibung von "e" für "i" (dicet vs. dicit) und umgekehrt, mit Zusammenfall von "ea" und "ia" zu "ia"(= [ja], Hiattilgung: lentiamina vs. linteamina) und von "o" für "u" (sopera vs. supra).- In der knapper gehaltenen Darstellung der Konsonanten behauptet der Autor mit Verweis auf einen anderen Experten, daß das [k] vor [e] und [i] "mit ziemlicher Sicherheit" spätestens vom 2. Jh. an einem Palatisierungsschub (= Entwicklung zu Zischlauten) unterlegen habe ([kj] > [tj] > [tsch]), wovon in der Schreibung allerdings nichts zu bemerken sei, da sich das "c" vor den hellen Vokalen nicht verändert habe - da fragt man sich: wie kann man dann so etwas mit "ziemlicher Sicherheit" datieren? In der Tat gibt es nur mittelbare Zeugnisse dieser Lautveränderung (z.B. nuncius vs. nuntius) - diese tauchen aber erst ab dem 6./7. Jh. auf. Und: Kramers Beispiele 11 (cefalen, cilia u.a. für griech. kefalen, kilia) und 12 (exequiae vs. execiae) belegen sogar, daß es zumindest während der Dauer des Imperiums keine signifikante Palatalisierung von [k] gegeben hat. Aber das 2. Jh. ist trotzdem nicht ganz falsch: es gab da tatsächlich eine Palatalisierung - nur eben die von [ti] vor Vokal zu [tsch] bzw. [ts], die auch direkt in Schriftbelegen nachgewiesen ist (siehe Leonard R. Palmer: Die lateinische Sprache, Seite 181). Daß unser Autor Kramer diese wichtige Veränderung mitsamt Belegen gänzlich unterschlägt, ist schon ein starkes Stück - und erweist seinen Anspruch, "das ganze Spektrum der ,monumentalen Tradition` zu umfassen" (Seite 15), definitiv als zu hoch gegriffen.- Auch bei seiner Datierung der Wörterliste Appendix Probi ins 4. Jh. hat sich der Autor verhoben: solche Datierungen sind zwar weit verbreitet und vor allem mit der des oben erwähnten Quantitätenkollapses verbunden ("3. Jh." / "4. Jh.") - aber nicht stichhaltig, wenn man die ,innere` = lautliche Entwicklung nicht berücksichtigt: der Quantitätenkollaps ist VORAUSsetzung für die Palatisierung im späten 2. Jh. (siehe oben), nicht seine Folge. Auch Kramer führt nur äußere Merkmale an: der Wortschatz enthalte sowohl einige heidnische wie christliche Begriffe und könne daher nur für die Zeit zwischen der Legalisierung des Christentums anno 313 und dem Verbot des Heidentums anno 395 angesetzt werden. Dies offenbart ein Trauerspiel: Anstatt aus eigener sprachwissenschaftlicher Kompetenz eine begründete und vor allem widerspruchsfreie Konzeption der vulgärlateinischen Entwicklung zu erstellen und somit die Kollegen, die Spätantike-Historiker, zur kritschen Prüfung ihrer dogmatischen Datierung (kein öffentlich wirksames Christentum, keine Basiliken vor Konstantin?) zu veranlassen, unterwirft man sich lieber der letzteren.Im übrigen zeigen die vom Autor präsentierten Beispiele, daß die Entwicklung des Vulgärlateins vor allem ab dem 3. Jh. relativ langsam verlaufen ist und daher bestenfalls die Unterscheidung in ein früheres" und ein späteres" Vulgärlatein rechtfertigt.Summa summarum ergibt das einen Abzug von (nur) einem Stern - wäre das Thema nicht auf die Präsentation und Erläuterung der Dokumente beschränkt gewesen, hätte es womöglich noch einen weiteren Stern erwischt.